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Kinder vor Alkohol schützen

Experte: Adelheid Fangrath
Kinder vor Alkohol schützen

Die Bilder in den Medien von haltlos betrunkenen Jugendlichen erschrecken viele Eltern. Es scheint, dass das exzessive Komasaufen bei Kindern und Jugendlichen äußert populär ist. Hundertprozentig können Eltern ihre Kinder nicht vor Alkohol schützen. Aber mit unseren Tipps helfen Sie Ihren Kindern, den Verlockungen des Alkohols selbstbewusst zu widerstehen.

Trinken Kinder heute mehr Alkohol?
Laut Statistiken geht der Alkoholkonsum in Deutschland leicht zurück. Dafür steigt der Trend zum Alkohol und exzessivem Komasaufen bei Kindern und Jugendlichen.

Das kompromisslose Betrinken gibt es schon lange und ist keine Erfindung der heutigen Zeit. Neu ist allerdings, dass schon minderjährige Kinder sich ins Koma trinken. Laut der Techniker Krankenkasse wurden 2008 in Deutschland 20.000 Kinder und Jugendliche aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums ins Krankenhaus eingeliefert. Das waren doppelt so viele wie im Jahr 2000.

Wieso greifen Kinder zum Alkohol?
Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Kinder und Jugendliche trinken. Zum einen gehört der Alkohol bei vielen Menschen zum Leben dazu. Sei es das Bierchen vor dem Fernseher oder einige Gläser Wein in Gesellschaft, trinken scheint sich positiv auf die Gemütsverfassung auszuwirken.

Da wundert es nicht, wenn Kinder sich an dem Beispiel ihrer Eltern orientieren. Auf der anderen Seite spielen auch die Freunde eine große Rolle. Wenn alle exzessiv Trinken, braucht ein Kind oder Jugendlicher sehr viel Selbstbewusstsein, um sich diesem Sog zu entziehen. Wenn die Freunde Alkohol trinken, sind sie mutig, lustig und haben offensichtlich viel Spaß. Nicht nur Kinder und Jugendliche sondern auch Erwachsene erwarten vom Alkohol eine stimmungssteigernde Wirkung. Viele flüchten auch vor ihren Problemen in eine Rausch.

 

Alkohol für Kinder ist ein lukratives Geschäft
Nicht nur die Freunde verführen zum Alkohol. Auch die Werbung beeindruckt mit tollen Bildern, in denen junge schöne Menschen ausgelassen unter Palmen tanzen. Der Genuss von Alkohol schafft eine heile Welt und verleiht Flügel. Besonders gefährlich sind für Kinder und Jugendliche die so genannten Alkopops. Diese Getränke sind so süß, dass der scharfe Geschmack des hochprozentigen Alkohols überdeckt wird. Noch eine Tücke für Jugendliche ist das Flatrate-Trinken in Diskotheken. Noch nie war es billiger, sich ins Koma zu saufen.

Warum ist Alkohol für Kinder gefährlich
Laut Aussage der Polizei trinken die meisten Kinder und Jugendliche zum ersten Mal im Elternhaus Alkohol. Oft mit Billigung der Eltern, die auf Familienfeiern ein Auge zudrücken, wenn die Kinder ein Schlückchen probieren wollen. Den ersten Rausch erleben Jugendliche oft mit 14 bei ihrer eigenen Konfirmation.

Es hat aber seinen Grund, warum Kinder und Jugendliche besser gar keinen Alkohol trinken. Alkohol schädigt die Leber und bei jedem Vollrausch sterben Gehirnzellen ab. Außerdem  reagiert der Organismus der Kinder wesentlich empfindlicher auf die schädliche Wirkung des Alkohols. Schon keine Mengen können bei einem Kind zu Vergiftungserscheinungen führen.

Die Techniker Krankenkasse weist darauf hin, dass kleine Kinder schon mit weniger als 0,5 Promille bewusstlos werden können. Da das Zellgift Alkohol bei Kindern und Jugendlichen viel schneller wirkt, erleben sie oft nicht einmal einen Rauschzustand.

Alkohol und Nebenwirkungen
Das exzessive Saufen mit Freunden führt zu vielen unangenehmen Folgeerscheinungen. Der Alkohol enthemmt, und die Jugendlichen schätzen Risiken falsch ein. Sex und Gewaltbereitschaft nehmen zu. Viele Verletzungen entstehen durch Schlägereien. Je früher Kinder mit dem Trinken beginnen, desto größer wird außerdem die Suchtgefahr. Wer seine Probleme nur mit Alkohol lösen kann, wird dieses Schema auch später beibehalten.

Auszug aus dem Jugendschutzgesetz
Jugendlichen ab 16 Jahren dürfen in Geschäften oder Gaststätten Bier, Wein oder Sekt kaufen, beziehungsweise trinken. Diese Altersgrenze sinkt auf 14 Jahre, wenn die Jugendlichen von Erziehungsberechtigten begleitet werden. Vorsicht, auch alkoholfreies Bier oder Malzbier kann Alkohol enthalten.

Hochprozentige Getränke wie Schnaps, Weinbrand, Liköre, Magenbitter und Mixgetränke mit Brandwein dürfen nicht an Jugendliche unter 18 Jahren abgegeben werden. Darunter fallen auch die Alkopops.

Schützen Sie Ihre Kinder vor Alkohol
Spätestens wenn die Jugendlichen auf Partys gehen, können Eltern den Alkoholkonsum ihrer Kinder nicht mehr kontrollieren. Unsere Tipps helfen Ihnen, mit Ihren Kindern im Gespräch zu bleiben.

  • Seien Sie Ihrem Kind ein gutes Vorbild. Gehen Sie verantwortungsbewusst mit Alkohol um und verzichten Sie weitgehend darauf, vor Ihren Kindern zu trinken.
  • Bitten Sie Ihre Kinder niemals darum, alkoholische Getränke für Sie zu kaufen.
  • Es ist okay, wenn Jugendliche einmal an Ihrem Getränk nippen wollen. In der Regel ist die Neugierde gestillt und der Geschmack wirkt eher abschreckend.
  • Lassen Sie nach einer Familienfeier niemals angebrochene Flaschen auf dem Tisch stehen.
  • Wenn Jugendliche auf Partys gehen, erkundigen Sie sich, ob Erwachsene zumindest in der Nähe anwesend sind.
  • Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch. Dabei ist es nicht immer leicht, die richtige Mischung zu finden. Bei starren Verboten und heftigen Vorwürfen verschließen sich die Jugendlichen.
  • Erklären Sie Ihrem Kind die Gefahren des Alkohols. Gerade die enthemmenden Nebenwirkungen sind für die Jugendlichen ziemlich peinlich.
  • Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Wenn es exzessiv säuft, gewinnt es weder mehr Freunde noch mehr Achtung in der Clique. Ihr Kind ist viel zu clever, als dass sich andere auf seine Kosten amüsieren.
  • Kümmern Sie sich darum, wie Ihr Kind von der Party nach Hause kommt.
  • Lassen Sie sich das Versprechen geben, dass es niemals bei jemanden mitfährt, der getrunken hat. Stattdessen bieten Sie an, Ihr Kind jederzeit selber abzuholen.
  • Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es eine Party völlig nüchtern erlebt. Es kann sehr abschreckend sein, die eigenen Kumpels einmal im peinlichen Rausch zu erleben. 
  • Vereinbaren Sie entsprechend dem Alter Ihres Kindes Regeln für den Alkoholkonsum. 
  • Reagieren Sie auf einen Rausch gelassen. Jugendliche wollen sich ausprobieren. Auf viele Kinder wirkt ein Kater ziemlich ernüchternd.
  • Wenn Sie merken, dass im Freundeskreis Ihres Kindes viel zu viel getrunken wird, können Sie versuchen, sich mit den Eltern der anderen Kinder zusammenzuschließen. Versuchen Sie in großer Runde an das Verantwortungsgefühl der Jugendlichen zu appellieren.
  • Oft ist Langeweile ein Grund für Alkoholgelage. Fördern Sie die Hobbys Ihrer Kinder. Ob Musik- oder Sportverein, hier finden die Jugendlichen wichtige Anerkennung und stärken Ihr Selbstwertgefühl.
  • Unternehmen Sie viel mit den Jugendlichen. Gerade bei gemeinsamen Aktivitäten bleiben Sie in Kontakt mit den Pubertierenden.

Auf der Seite Du bist stärker als Alkohol finden Sie viele Tipps und Downloads zum Thema.

 

 
 
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Kommentare [1]
Kontrabass

Weitere Ratschläge

1981 gab ich als wahrscheinlicher erster eine Eltern-Information heraus mit solchen Ratschlägen, weil die entsprechenden Eltern-Abenden der Suchtprävention die Eltern ziemlich ratlos zurückliessen. Hier ein paar Punkte daraus: Sie werden nie Gewissheit haben, dass Ihr Kind vom Drogenkontakt verschont bleibt, aber Sie können Ihrerseits die Möglichkeiten vorzubeugen, 100prozentig ausnützen und das in Ihrer Macht Liegende tun, wenn Sie nur wollen! Einige Vorschläge werden für Sie wahrscheinlich neu sein, vielleicht sogar zum Widerspruch herausfordern, was beim heutigen Informationsstand der Bevölkerung nur natürlich wäre...(Heute noch genau so) - Verführen Sie nicht die eigenen Kinder zum Alkoholkonsum, wie es bei Familienfesten oft vorkommt. - Denken Sie daran, dass ein Alkoholvorrat in der Wohnung (Hausbar) oder im Keller die Kinder in Ihrer Abwesenheit zum Neugierkonsum verleiten kann. - Erziehen Sie Ihre Kinder zu kritischem Konsumieren, zum Verzichtenlernen, zum Mut, zur eigenen Meinung in der Gruppe zu stehen. Vergessen Sie auch hier das eigene Beispiel nicht. - Bleiben Sie mit Ihren Kindern im Gespräch. Versuchen Sie, Drogenprobleme, die durch Massenmedien oder in der Nachbarschaft bekannt werden, sachlich zu diskutieren. - Halten Sie guten Kontakt mit dem Lehrer Ihrer Kinder. - Helfen Sie, wenn die Möglichkeit besteht, bei den Vorbereitungen von Klassenlagern und Schülerfesten mit. - Fordern Sie Lehrer, Behörden und Politiker auf, in der Schule ein Klima zu schaffen, das frei ist von Alkohol, Tabak und andern Drogen. - Denken Sie daran, dass auch Ihr eigenes Freizeitverhalten bewusst oder unbewusst ein wichtiger Miterzieher sein kann. - Lenken Sie die Freizeitgestaltung Ihrer Kinder behutsam. Schicken Sie Ihre Kinder nur in Vereine, die keine ausgesprochene Drogengefahr bedeuten. Besondere Vorsicht ist leider bei gewissen Sportvereinen nötig. (Heute besonders über: Alkoholsponsoring) Lernen Sie die Leiter persönlich kennen und halten Sie Kontakt zu Ihnen. - Schicken Sie Ihre Kinder nach Möglichkeit in ein gute, alkoholfrei lebende Jugendgruppe. Helfen Sie beim Aufbau einer neuen Gruppe mit, falls keine vorhanden ist. - Unterstützen Sie alle politischen Vorstösse, die den Konsum der legalen und illegalen Drogen einschränken, z.B. Getränke- und Tabaksteuern, Werbeverbote, Jugendschutzgesetze, Bedürfnisklausel in Wirtschaftsgesetzen, Preisgestaltung in Restaurants (alkoholfreie Getränke sollten billiger sein als Bier), usw. - Wählen Sie keine Politiker, die wirtschaftliche Interessen über Aspekte der Volksgesundheit stellen oder sogar direkt Alkohol- oder Tabakwerbung betreiben. - Unterstützen Sie Zeitungen, die trotz der Drogenwerbung versuchen, die Pressefreiheit in ihrem Bereich zu retten. - Unterstützen Sie Bestrebungen, die Sozial- und Präventivmedizin zu stärken. Sie sehen, in 29 Jahren kein Fortschritt. Dank Falschinformation und alkoholfreundlicher Politik.

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