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Tauchlehrer: Traumberuf oder Albtraum

"Wer nichts wird, wird Wirt." Dieser alte Spruch scheint überholt. Man muss sich fragen ob es heute nicht heißen muss: "Wer nichts wird, wird Tauchlehrer."
Das Leben eines Tauchlehrers
Die Gründe und Klischees, warum jemand als Tauchlehrer arbeiten will, sind vielfältig: Leben dort, wo andere Urlaub machen, wohnen unter Palmen, knackig braungebrannt unter der Sonne arbeiten, Bikinischönheiten in die Geheimnisse der Unterwasserwelt einweisen usw.
Dabei sieht die Realität oftmals anders aus: In der Regel steht nämlich im Leben eines Tauchlehrers das Tauchen nur bedingt im Vordergrund. Um erfolgreich in diese Branche arbeiten zu können, muss der Tauchlehrer de facto die berühmte "eierlegende Wollmilchsau" sein.
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Gefragte Fähigkeiten eines Tauchlehrers
Gefragt sind neben Kenntnissen weiterer Sprachen in der Regel Fähigkeiten als Entertainer, Verkäufer, Animateur, Schlosser und Schrauber. Und das oftmals für ein Gehalt, das zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel ist. Und so kann aus dem Abenteuer Traumberuf recht schnell ein Alptraum werden.
Wie sieht der Arbeitsmarkt für Tauchlehrer aus?
Sieht man die Sache realistisch, ist der große Boom des Tauchens vorbei. Innovative Neuentwicklungen auf dem Tauchmarkt gibt es schon seit Jahren nicht mehr. Zwar werden immer noch jährlich unzählige Taucher ausgebildet, doch die Zeiten, als man in der Branche von zweistelligen Wachstumsraten sprach, sind vorbei.
Trotzdem werden jedes Jahr immer weiter neue Tauchlehrer auf einen Markt geworfen, der schon längst übersättigt ist. Die Löhne sind dementsprechend im Keller. Interessiert daran sind hier vor allem die unzähligen Tauchverbände, die nicht nur einen großen Teil der Prüfgebühren für die neuen Tauchlehrer einstreichen, sondern auch die jährlich anfallenden Lizenzgebühren dieser kassieren. Und nebenbei verdient der Verband natürlich auch bei jedem abgehaltenem Tauchkurs mit.
Warum gibt es so viele Tauchlehrer?
Vergleicht man den Tauchsport mit anderen Trendsportarten wie z. B. das Snowboarden fällt eines auf. Kein Teilnehmer eines Snowboardkurses würde einen Gedanken darauf verschwenden, Snowboardlehrer zu werden. Ganz im Gegensatz zum Tauchen. Bei jedem Tauchkurs gibt es mindestens einen Teilnehmer, der nach Absolvierung der ersten Freiwassertauchgänge den Gedanken äußert, Tauchlehrer werden und in die "Elite" der Tauchsportjünger aufsteigen zu wollen.
Anforderungen an Tauchlehrer
Betrachtet man das finanzielle Eigeninteresse der Tauchverbände, ist es nicht verwunderlich, dass die Anforderungen an angehende Tauchlehrer immer geringer werden. In den Augen des Verfassers sind dies auch keine Anforderungen, sondern eher Mindestforderungen. Heutzutage ist es möglich, bereits mit etwas mehr wie 100 Tauchgängen an einer Tauchlehrerprüfung teilzunehmen und sich bei Bestehen Tauchlehrer zu nennen.
Wenn man dabei bedenkt, welche Verantwortung ein Tauchlehrer unter Wasser übernimmt, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Blickt man dabei nur 20 Jahre zurück, waren damals die Anforderungen für einen Taucher CMAS** höher wie heute für einen Tauchlehrer. Und so ist es nicht verwunderlich, das Tauch-Professionals mit 100 Tauchgängen in der Szene mitleidig als "Teichmeister" oder "Einweiser" bezeichnet werden.
In einem Interview hat es Thomas Kromp, Ausbildungsleiter des Tauchverbandes Barakuda, auf den Punkt gebracht: "Tauchlehrer haben eine ganz ähnliche Verantwortung wie ein Fluglehrer, werden für die Aufgabe aber nicht richtig ausgebildet. Wenn Piloten so ausgebildet würden wie Tauchlehrer, dann würde voraussichtlich keiner mehr fliegen." (Messemagazin Diveinside von Taucher.net).
Ausbildung zum Tauchlehrer gegen Mitarbeit
Auch wenn das von vielen Tauchbasen weltweit angebotene Programm "Ausbildung gegen Mitarbeit" Kritiker hervorruft, die sagen, der angehende Tauchlehrer wäre ein besserer Basissklave, ist es doch eine gute Möglichkeit einen Tauchbasisbetrieb von innen kennen zu lernen. Wer sechs oder mehr Monate auf einer Basis mitarbeitet, lernt den Beruf des Tauchlehrers von der Pike auf kennen. Und wie bereits oben erwähnt, ist ein Tauchlehrer heutzutage die wenigste Zeit unter Wasser.
Abgesehen davon kann man so auch gleich herausfinden, ob einem das Leben im Ausland liegt. Und bei einer seriösen Tauchbasis sollte es ein leichtes sein, während dieser Zeit ausreichende Erfahrungen im Tauchen aber auch in der Ausbildung zu sammeln.
Zukunftsmusik
Will die Branche ihren Ruf retten, ist ein Umdenken erforderlich. Eine einheitliche Tauchlehrerausbildung sowie das Anheben der Mindestforderungen für Tauchlehrer sind dabei nur einige Ansätze. Sonst wird es eines Tages wirklich heißen: Wer nichts wird, wird Tauchlehrer.

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