Eine Oktave tiefer

18.03.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Krise kommt immer näher. Jetzt sollen die ohnedies schon klammen Gemeinden noch mehr sparen, obwohl viele von ihnen – streng genommen – bereits heute pleite sind.

Im Ruhrgebiet haben zum Beispiel Recklinghausen und Bochum kaum das Geld, um ihre vor ein paar Jahren an US-Heuschrecken im Cross-Border-Leasing verscherbelten Abwasserkanäle zurückzukaufen. Der US-Kongress hat diesem „Steuersparmodell“ mittlerweile einen Riegel vorgeschoben. Die sitzen an Ruhr und Emscher also ganz schön dick in ihrem Schmutz. Woanders ist es kaum besser. Teilweise haben clevere Bürgermeister und Kämmerer sogar die Trinkwassernetze an US-Spekulanten verhökert, wie am Bodensee, wo etwa 180 Gemeinden „auf dem Schlauch“ sitzen.

In Bonn hat man andere Sorgen. Dort suchen sie mit internationalem Haftbefehl den koreanischen Geschäftsführer der Baufirma des halbfertigen insolventen World Conference Centers Bonn (WCCB). Der soll mit  40 Mio. Euro flüchtig sein. Ob der das Geld wirklich hat, weiß der Insolvenzverwalter allerdings auch nicht genau, weil er nach seinen Worten „keine forensischen Untersuchungen“ über den Verbleib des Geldes gemacht haben will. Was immer er uns damit sagen will.

Das ätzende „Theater“ um die Kosten-Explosion der teilweise von einem privaten Gönner gesponserten Hamburger „Elbphilharmonie“ ist ein weiteres Beispiel für öffentliche Verschwendung  unserer Steuergelder.

Dennoch wird scheinbar unbekümmert allerorten munter weiter in protzige Renommierbauten investiert – besonders gerne in „Kultur-Beton“. Die Bonner Stadtmütter- und -väter wollen zum Beispiel mit Hilfe von privaten Mäzenen nicht nur ihre traditionsreiche Beethovenhalle abreißen und von international anerkannten Stararchitekten für mindestens 100 Mio. Euro ein neues Festspielhaus bauen lassen, sondern zusätzlich auch noch gleich ein neues Rathaus nach einer  privaten Zweckspende über 50 Mio. aus dem Boden stampfen. Auf der anderen Seite werden Schwimmbäder geschlossen, Schulen nicht saniert und Kitas nicht gebaut.

Der Kölner Oberbürgermeister möchte ebenfalls am liebsten das Schauspielhaus platt machen und völlig neu bauen. Die erfolgreiche Intendantin des Hauses und andere Experten sind hingegen für Sanierung. Sie wollen lieber mehr Geld in die künstlerischen Inszenierungen stecken. Seitdem wird die Intendantin in der Domstadt öffentlich mächtig gemobbt.

Kulturelle Leistung ist bei uns augenscheinlich zur Formel erstarrt: „Kubikmeter umbauten Raum plus private Spenden mal Großmannssucht“. Krise hin, Krise her. Essen ließ sich beispielsweise von Krupp ein neues schönes Folkwang-Museum schenken, vermutlich ohne sich vorher genügend Gedanken über die später vom Steuerzahler zu tragenden Betriebskosten gemacht zu haben.

Das Teure an der Kultur seien nicht Beton und Glas, sondern die Menschen auf und hinter der Bühne, belehrte kürzlich der Essener Kämmerer die Presse. Folgerichtig will er nun direkt am künstlerischen Personal den Rotstift ansetzen. Seine Rechtfertigung: „ Die können auch eine Oktave niedriger singen.“

Ganz schön schrill, Herr Kämmerer! Tolle Aussichten für uns alle und unsere Kultur. Essen ist aktuell die europäische Kulturhauptstadt 2010 – sozusagen unsere leuchtende kulturelle Vorzeigegemeinde. Fällt Ihnen dazu noch etwas ein?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auch in Krisenzeiten immer Zeit und Geld für ein bisschen Kultur übrig haben.

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Das 1×1 des Frühlings: Erfahren Sie, warum es die Jahreszeiten gibt

17.03.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines

Liebe Leserin, lieber Leser,

“Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen tralala”, heißt es in dem bekannten Schlager der “Comedian Harmonists” über den Frühling. Und bald ist es – zumindest laut unserem Kalender – wieder soweit: Am 21. März startet ganz offiziell der Frühling! Ich bin mir sicher nach dem langen, kalten Winter können Sie es auch kaum noch erwarten, daß die Natur wieder zum Leben erwacht. Aber warum ausgerechnet dieser Tag? Wissen Sie es? In dem Infodienst “simplify Wissen” habe ich die Erklärung rund um den Frühlingsanfang gefunden: Die Wahl dieses Tages hängt mit der Schieflage unserer Erde zusammen.

Ein Jahr dauert nach unserem Kalender bekanntlich 365 oder alle 4 Jahre 366 Tage. Das entspricht ziemlich genau der Zeit, die unsere Erde braucht, um die Sonne 1-mal zu umkreisen. Dabei dreht sie sich täglich 1-mal um sich selbst. Eine Erd-Hälfte ist immer von der Sonne angestrahlt, die andere befindet sich im Schatten. Die Nord- und Südhalbkugel der Erde sind während der 365 Tage mal näher, mal weiter von dem Energiebündel entfernt. Das liegt daran, dass wir ständig in einem Winkeln von 23,5 Grad zur Bahn um die Sonne stehen.

Und genau daraus ergeben sich die 4 Jahreszeiten! Denn die Sonnenstrahlen treffen so immer mit einem anderen Winkeln auf die Erdoberfläche, und es ist unterschiedlich lang hell am Tag – in München beispielsweise zwischen 8,5 Stunden im Winter und 16 Stunden im Sommer.

Um den 21. März und den 23. September (Herbstanfang) steht die Sonne um 12 Uhr mittags senkrecht zum Äquator – also der größte Gürtel der Erde, der von Nord- und Südpol je gleich weit entfernt ist. An diesen Tagen haben wir sowohl auf der Nord- als auch auf der Südhalbkugel je 12 Stunden Tag und Nacht. Bei uns in Mitteleuropa beginnt am 21. März der Frühling, denn die Sonne verschiebt sich ab hier nach Norden: Durch sie erhält dieser Erdteil mehr Sonnenenergie – die Tage werden länger als die Nächte. Auf der Südhalbkugel hingegen ist es genau andersherum: Hier beginnt am 21. März der Herbst.

Neben dem astronomischen Frühling gibt es noch den meteorologischen und phänologischen. In der Meteorologie sind März, April und Mai die Frühlingsmonate. Wetterkundler haben also schon am 1. März den Frühling eingeläutet.

Wenn Sie Schneeglöckchen oder Haselnusssträucher blühen sehen, beginnt phänologisch der Vorfrühling. Dieser orientiert sich also am Entwicklungsstadium typischer Pflanzen, wie z.B. Hyazinthen, Forsythien oder Krokusse. Das phänologische Frühjahr spielt sich von März bis Mai ab und endet mit der Holunderblüte im Frühsommer. Bei der allgemeinen Wetterlage wird es wohl dieses Jahr ein bisschen länger dauern, bis wir uns an den Frühlingsblühern erfreuen können.

Zum Schluss möchte ich Sie noch mit einem sehr schönen Frühlingsgedicht aus der Feder von Johann Wolfgang von Goethe erfreuen. Dieser war übrigens neben seinem literarischem Schaffen auch als Botaniker und Biologe tätig.

Das Beet schon lockert, sich’s in die Höh’,
Da wanken Glöckchen, so weiß wie Schnee
Safran entfaltet, gewalt’ge Glut,
Smaragden keimt es, und keimt wie Blut.
Primeln stolzieren, so naseweis,
schalkhafte Veilchen, versteckt mit Fleiß;
Was auch noch alles, da regt und webt,
Genug, der Frühling, er wirkt und lebt.

Welches ist Ihr Lieblings-Frühlingsgedicht? Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Ihr Gedicht hier einstellen und uns alle damit ein bisschen in Frühlingsstimmung bringen. Bitte vergessen Sie nicht den Autor/Dichter anzugeben.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen herrlichen Frühlingsanfang und eine schöne Woche!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Viele kleine Philosophen

16.03.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Familie & Erziehung, Lernen & Wissen

Liebe Leserin, lieber Leser,

„Kann sich meine Katze auch freuen?“ „Wohin gehen meine Ohrenschmerzen, wenn ich sie nicht mehr habe?“ „Sind Blumen glücklich?“ Dies sind alles Kinderfragen, aber gleichwohl keine einfachen Fragen; philosophische Fragen eben – nur aus Kindermund.

„Kinder sind von Natur aus zum Philosophieren begabt“, sagen professionelle Philosophen. Diese Feststellung mag Sie möglicherweise ebenso überraschen, wie sie mich zunächst verwundert hat. Wir sind es gewohnt, Kindern möglichst klug „unsere“ Welt anhand von Fakten zu erklären, weil wir davon ausgehen, dass  Kinder gesicherte Antworten brauchen, um die Welt, in die sie immer weiter hinein schreiten, zu begreifen und zu ordnen. Fragen haben Kinder schon selbst genug – meinen wir.

Vielleicht sollten wir aber diese Ansicht einmal hinterfragen. Für Kinder ist vieles ungeklärt, was uns Erwachsenen längst klar zu sein scheint, weshalb wir irgendwann einmal aufgehört haben, weiter nach möglichen tieferen Erkenntnissen zu fragen.

Ein Kind muss fragen – und eigene Antworten finden. Seine Fragen zeigen uns, worüber es gerade nachdenkt und was ihm im Augenblick wichtig ist. Das Bewusstsein, selbstständig denken und überlegen zu können, haben Kinder etwa mit 3 bis 4 Jahren. Fragen Sie deshalb lieber Ihr Kind, bevor Sie vorschnell eine Antwort geben: „Was meinst Du dazu?“ Aus Kindermund  könnten Sie dann zum Beispiel solche philosophischen Erkenntnisse hören: „Meine Seele sieht genauso aus wie ich. Sie ist nur unsichtbar.“ 

Philosophie heißt wörtlich übersetzt die „Liebe zur Weisheit“. Philosophische Fragen verlangen mithin eine persönliche Auseinandersetzung mit bestimmten Themen. Sie lassen immer verschiedene,  allgemein gültige Standpunkte und Einsichten zu – nicht nur die vorherrschende Mainstream-Meinung.

„Jetzt weiß ich, dass ich ganz viel weiß“, sagte ein kleines Mädchen nach einer gemeinsamem Philosophie-Runde. „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, sagte Sokrates, der berühmte Philosoph der Antike. Ist das wirklich ein Widerspruch?

Vielleicht, aber dann einer, über den es sich nachzudenken lohnt.

Was meinen Sie? Sollten wir unsere Kinder viel früher auch an philosophischen Fragen heranführen, statt Sie schon im Kindergarten mit Fremdsprachen und Zahlen für die spätere berufliche Karriere vollzustopfen? Ich meine, ein würdiges, erfülltes menschliches Leben kann nicht nur aus „Fakten, Fakten, Fakten“ und geschmeidigem Reagieren auf fremde Vorgaben bestehen. Bloggen auch Sie heute wieder mit!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG


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