Waren wir früher höflicher?

27.07.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines, Beruf & Karriere, Familie & Erziehung, Wirtschaft

Liebe Leserin, lieber Leser,

ja, es scheint mir fast so: Unser Umgangston – namentlich am Arbeitsplatz – ist nicht mehr so gut, wie er schon einmal war. Wir reden uns zwar heute bereits nach kurzer Zeit ungezwungen mit dem Vornamen an, aber der natürliche Respekt voreinander scheint gelitten zu haben. Oft fehlt die Distanz – von unten nach oben, aber noch häufiger von oben nach unten. Willkür und Rumpeln sind an der Tagesordnung.

“Mach mal!”, “Das müssen wir heute …” oder “Wie konnten Sie?” sind beispielhaft einige gängige Bemerkungen aus dem modernen Büroalltag. Früher wurden Anordnungen und Kritik aller Art in gut geführten Unternehmen üblicherweise in eine höfliche Konjunktivform gepackt: “Würden Sie bitte…” oder “Könnten Sie bitte…”. Das war guter Führungsstil, weil er die Zustimmung des anderen zumindest rhetorisch offen ließ und nicht verletzte.

Mag sein, dass die neue Direktheit am Arbeitsplatz der uns immer mehr beherrschenden Effektivität geschuldet ist. Für das menschliche Miteinander ist sie dennoch nicht gut. In anderen Ländern läuft das anders.

Unsere britischen Nachbarn zum Beispiel schieben heute in der Londoner City durchaus im Sekundentakt Milliarden an Dollar, Euro und Pfund rund um den Globus – aber ihre konservativen Umgangsformen lassen Sie sich gleichwohl nur ungern nehmen.

Kaum einem gut erzogenen Briten würde es einfallen, einen Untergebenen barsch mit den Worten zur Rede zu stellen: “You`re doing that wrong.” Er würde eher sagen: “Actually, I think there`s a better way to do that”. Man würde dort vermutlich auch nicht besserwisserisch dazwischenfahren mit: “No, not like that”. Die höflich Reaktion auf Fehler des anderen würde vielmehr lauten: “Will you just let me explain that to you?” Die englische Übersetzung von: “Sie Rindvieh haben ja schon wieder Mist gemacht und die Deadline verpasst” würden Sie ebenfalls nur ganz selten hören. In gebotenem britisch vornehmem Umgangston hieße das vermutlich so: “I`m sure you`ll unterstand how important it is for our department to meet deadlines”.

Sie merken den kleinen, aber feinen Unterschied zu uns. Nun könnten Sie sagen: “Was soll das ganze höfliche Getue, wir müssen voran kommen!” Und ich würde Ihnen antworten: “Man kann doch das eine durchaus machen, ohne das andere zu lassen”.

Wie meinen Sie, hat die am Arbeitsplatz bei uns gelitten und sollten wir uns wieder mehr um bessere Umgangsformen bemühen? 

Ich wünsche Ihnen eine freundliche Woche!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Wortbruch

26.07.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines, Beruf & Karriere, Wirtschaft

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir haben in Deutschland ein paar Dinge, die gehen eigentlich überhaupt nicht: Zum Beispiel: “”. Bei drehen vor allem die Männer gleich am Rad. Sie wissen ja: “Ein Mann ein Wort, eine Frau ein Wörterbuch.” Das Männerwort ist bekanntlich ehern und gilt ohne Wenn und Aber – so ist es nun mal. “” ist für viele Mannsbilder sogar noch schlimmer, als ohne triftige Entschuldigung am Stammtisch zu fehlen.

Von unseren Politikern wurde zuletzt “” mehr als Kampfwort benutzt. Verrat und Betrug waren dann meist nicht weit. Denken Sie nur an die Frau Ypsilanti, als die sich in Hessen mit den Linken einlassen wollte.

Nun lernen wir aber aus der überraschend: Nicht jeder ist gleich . Ex-Bundespräsident Horst Köhler (parteilos) durfte zum Beispiel über Nacht schon nach nur zwei Jahre das allerhöchste Staatsamt wieder hinschmeißen. Er bekam trotzdem den “Großen Zapfenstreich” der Republik. Erinnern wir uns aber: Er war eigentlich von uns für 5 Jahre wiedergewählt worden und die meisten von uns sind gewiss bei der Wahl davon ausgegangen, dass er dem deutschen Volk seinem Amtseid entsprechend mit aller Kraft noch eine volle Legislaturperiode dienen wird.

Hessens Regierungschef Roland Koch (CDU) will im Sommer ebenfalls überraschend den Hut nehmen, weil ihm angeblich nach langem Grübeln klar geworden ist, dass es jenseits von auch noch etwas anderes fürs Leben zu holen gibt. Das hätte ihm gewiss früher einfallen können, denn erst im Februar 2009 hatte er sich zum Ministerpräsidenten für eine ganze Legislaturperiode wählen lassen.

Auch Oskar Lafontaine ließ seine SPD-Genossen und Kanzler Schröder nicht minder unfein in einer Nacht-und-Nebel-Aktion wie begossene Pudel im Regen stehen. Der ambitionierte CDU-Finanzexperte Friedrich Merz ging schmollend, nachdem ihm seine Partei nicht glauben wollte, dass eine komplette Steuererklärung auf einen Bierdeckel passt.

Ganz, ganz früher – also 1918 – hatte sich der letzte sächsische König ebenfalls Knall auf Fall aus dem Amt gemacht mit den Worten: “Macht euren Dreck alleene” – allerdings tat er das, nachdem ihm klar wurde, dass ihn sein Volk wirklich nicht mehr haben wollte.

Nun will aktuell Hamburgs 1. Bürgermeister Ole von Beust (CDU) überraschend demissionieren – mit nicht einmal 55 Jahren. Ich bin wesentlich jünger, kann aber Herrn von Beust irgendwie gut verstehen.
Andererseits: Ich muss mindestens noch bis zum 67. Geburtstag arbeiten.
Erst dann ist meine Rente eventuell durch. “Tschüss, ich bin mal weg”, kann ich leider nicht so einfach sagen.

Sechs Landesfürsten und Hoffnungsträger der Union haben sich inzwischen vom Acker gemacht. Der “Spiegel” spricht bereits von der “Null-Bock-Partei”. Aber warum laufen unsere Politiker und viele Hoffnungsträger heute reihenweise davon? Ich weiß es nicht. Liegt es nun an den Genen der neuen Generationen oder liegt es an unserer Zeit, in der persönliche “Verantwortung” nur zu oft ein Fremdwort ist?

Oder wählen wir möglicherweise sogar die falschen Leute? Konrad Adenauer (CDU) zum Beispiel, war nach 14 Jahren an der Spitze des Kabinetts selbst mit 87 Jahren nicht die Spur amtsmüde und wäre vermutlich gerne bis zum Tode Kanzler geblieben – wenn die Parteifreunde ihn nur gelassen hätten. Oder schauen Sie mal rüber zu den Briten auf die Insel, wo die Queen Elisabeth II mit 84 Jahren immer noch eisern das Zepter schwingt. Es geht doch!

Was halten Sie von der momentan inflationäre Rücktrittswelle bei unseren Spitzenpolitikern im besten Mannesalter?

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in die neue Woche!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

“Tante” Mama

23.07.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines, Beruf & Karriere, Familie & Erziehung

Liebe Leserin, lieber Leser,

hart arbeitende Väter fürchten bisweilen nichts mehr, als von ihren Kinder irgendwann einmal mit „Onkel“ angeredet zu werden, weil sie viel zu selten zu Hause sind. Das macht Workaholics durchaus Angst. Und wir fühlen mit ihnen. Von der breiten Gesellschaft aber im allgemeinen kaum bemerkt ist festzustellen, dass dieses Problem bei uns inzwischen auch bei den Frauen angekommen ist und zugleich eine grundlegend andere Dimension bekommen hat.

Vielen Frauen droht zunehmend das gleiche Los wie den überarbeiteten Vätern, weil  sie durch Arbeitslosigkeit ihrer Männer oder als Alleinerziehende zur Haupternährerin der geworden sind und in der permanenten Klemme zwischen Haushalt, Kindererziehung und stecken. Für sie hat notgedrungen der Arbeitsplatz höchste Priorität; Haushalt und Kinder kommen danach.

Forscherinnen der Universität Essen-Duisburg und der Hans-Böckler-Stiftung haben in einer Studie den neuen Rollentausch der Geschlechter in den Familien untersucht. Das Ergebnis: Immer mehr verdienen das Geld für die Familien; das heißt in der Definition der Forscherinnen mindestens 60 % des Haushaltseinkommen. Das heißt aber andererseits nicht, dass sich nun umgekehrt die Männer daheim mehr um die Kinder und den Haushalt kümmern würden. Für die Kinder wenden die arbeitenden gleichwohl immer noch wesentliche mehr Zeit auf als die Väter.

Daraus erwächst für die Frauen eine norme Doppelbelastung. Eine der von der Forscherinnen interviewten Familienernährerin brachte ihre Befürchtung auf den Punkt: „Ich habe Angst, dass meine Töchter irgendwann sagen werden, es war nur immer Papa da.“

Vor allem für die Frauen in Ostdeutschland, wo Frauen – anders als im Westen – schon immer arbeiten gegangen sind, ist es nach dieser Studie schwierig, ihre Rolle als Haupternährerin der und Mutter unter einen Hut zu bringen. Dort schultern wegen der im Osten allgemein hohen Arbeitslosigkeit die Frauen ihrer finanzielle Verantwortung für die oft nur mit einem Vollzeitjob. Am Arbeitsplatz sind sie dadurch einem hohen betrieblichen Flexibilisierungsanspruch ausgesetzt. Berufliche Umorientierung oder eine geringere Belastung durch Teilzeit sind kaum möglich. Denn sie können ihren Arbeitsplatz nicht aufs Spiel setzen, wenn sie nicht die Familienexistenz gefährden wollen.

Wie sehen Sie diese Entwicklung? Ist es gut, wenn die Frauen immer mehr zum Haupternährer der Familien werden?

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG