Zurück in die Kasernen

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist nur mit unserer los? Nach der Wiederbewaffnung Deutschlands haben Hundertausende von Soldaten über Jahrzehnte hinweg still, treu und brav auf eine außerordentlich bewundernswerte Weise ihren Dienst in den Kasernen geleistet – zum Schutz unseres Landes im Rahmen der NATO und zur Sicherung unserer friedfertigen Demokratie. Danke dafür!

Aber was ist jetzt auf einmal los? Wie seinerzeit „der Reitergeneral Zieten aus dem Busch“ sind plötzlich die alten Kameraden wieder da und rasseln mit dem Säbel. Die sei in Afghanistan „nicht zum Brunnenbohren“, ließ der emeritierte Generalinspekteur Harald Kujat uns vollmundig wissen. Das sei ein Kriegseinsatz.

Die – so der Ex-Vier-Sterne-General, der sich seit Wochen offenbar nicht damit begnügen will, still seine gute Pension zu verzehren, sondern in den Medien offensiv zur Attacke trommelt – brauche ein „robustes Mandat“ am Hindukusch. Will meinen: Die soll sich nicht nur vor Angriffen des Feindes schützen, sondern diesen sozusagen vorbeugend „vernichten“ dürfen, wie es offenbar auch jener Oberst Klein wollte, als er den Befehl zum Luftangriff auf die beiden von den Taliban gestohlenen Tanklastzüge gab. Viele unschuldige Zivilisten wurden dabei getötet, als diese ein paar Liter Sprit aus den gekaperten Tankfahrzeugen zapfen wollten.

Für den Ex-Kommandeur der ist klar, dass „ am Hindukusch“ ist – bzw. ein „bewaffneter Konflikt“, wie einige Völkerrechtler sagen. würde unseren Soldaten zu ihrem eigenen Schutz auch „taktisches Töten“ erlauben,  jenseits des direkten  Selbstschutzes. Staats- und Völkerrechtler sind sich allerdings keineswegs einig, ob sich die an einem solchen Kriegseinsatz beteiligen darf.

Wie dem auch sei, Fakt ist: Unsere hat seinerzeit vom Bundesstag unzweifelhaft lediglich ein humanitäres Mandat zum Einsatz in Afghanistan erhalten. Geschossen werden darf nur zum direkten Selbstschutz. Das hat den deutschen Soldaten lange Zeit hohes Ansehen in der Bevölkerung eingebracht; ein wertvoller Kredit, den leider einige zackige Militärs mit ihrer wachsenden Neigung zu kriegsähnlichen Scharmützeln in Afghanistan immer mehr verspielt haben.

Eine wohlmöglich offizielle deutsche Beteiligung am „ am Hindukusch“ wäre unzweifelhaft ein außerordentlich folgenschwerer „Wortbruch“ der Regierung  Merkel, gegen den der „Wortbruch“ von „Frau XY“ (Ex-Kanzler Schröder über seine hessische Parteifreundin Ypsilanti ) geradezu nur alberner Kinderkram wäre.

Die Mehrheit der Deutschen, da bin ich mir sicher, will keinen – weder bei uns noch in irgendeinem anderen Land der Welt. Gezieltes Töten von unschuldigen Kindern und Frauen oder harmloser Hochzeitsgesellschaften – sozusagen zum vorbeugenden Schutz unserer Soldaten und ihrer Camps – kann aus meiner Sicht in absolut keinem Fall ethisch und moralisch „angemessen“ sein.

Wenn die Sicherheit unserer Soldaten am fernen Hindukusch tatsächlich nur noch unter bewusster Inkaufnahme von solchen tödlichen „Kollateralschäden“ in der unbeteiligten Zivilbevölkerung zu gewährleisten sein sollte, wäre es allerhöchste Zeit, unsere Truppen in ihre Kasernen in Deutschland zurückzubeordern. Ich wüsste jedenfalls kein einziges Wort der Entschuldigung, mit dem ich die Familien der unschuldig Getöteten um Verzeihung bitten könnte. Geld allein kann wohl kaum eine „angemessene“ Entschädigung sein.

Schreiben Sie mir doch  bitten, wie Sie eine deutsche Beteiligung an Kriegen beurteilen. Ist es nicht endlich an der Zeit, in einer kultivierten, modernen, globalen Welt die Panzer und Raketen zur Konfliktlösung ein für allemal zu „verschrotten“? Diskutieren Sie mit!

Ich wünsche uns allen eine friedvolle Weihnachtszeit!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

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35 Kommentare zu „Zurück in die Kasernen“

  1. C.Meiss sagt:

    Sicherlich sind in Afghanistan einige Fehler gemacht worden.
    Der größte Fehler allerdings wurde gemacht, als der erste deutsche Soldat einen Fuß auf afghanischen Boden gesetzt hat. Unsere Soldaten werden benutzt von einem Staat, der sich zur Weltpolizei berufen fühlt und dem es augenscheinlich nur darum geht, seinen Einfluss auf die Welt ein kleines (großes ?) Stückchen zu erweitern.
    Vor einem Jahr habe ich die Bundeswehr verlassen und ich bin froh darum, nicht mehr für die “Landesverteidigung am Hindukusch” dienen zu müssen. Allein diese Formulierung ist der reinste Hohn.
    Während in Afghanistan deutsche Soldaten sterben, hat unsere Bundesregierung anscheinend nichts besseres zu tun, die Freiheit der Menschen durch alle möglichen und unmöglichen Gesetze zu “beschneiden”. Sei es über den Vorwand der Terrorbekämpfung oder der Strafverfolgung von “Internetverbrechern” (Stichwort: Vorratsdatenspeicherung, Bundestrojaner), wir tauschen unsere (Meinungs-)Freiheit Stück für Stück gegen vermeintliche Sicherheit. Selbst das Grundgesetz ist nur noch ein Stück Butter in den Händen von mächtigen, hochbezahlten Politikern.

    @Rothweiler, Fritz: Wenn Sie der Meinung sind, dass in Afghanistan keine Waffen gebraucht werden, frage ich Sie ernsthaft, warum ausgerechnet die Bundeswehr dort anwesend ist und nicht irgendeine zivile Organisation.
    Unsere Soldaten haben unter anderem den Auftrag die Wiederaufbaumaßnahmen der zivilen Hilfsorganisationen zu schützen, falls Ihnen diese Tatsache entgangen sein sollte. Meinen Sie, das wäre nur mit einer positiven Einstellung und ein paar Schulheften für die dort lebenden Kinder durchführbar ?
    Meiner Meinung nach nicht.

  2. Juergen Zwing sagt:

    Sehr geehrte Frau Olthof,

    Ihre Absichten sind sicher sehr redlich. Allerdings leben wir nicht in einer Wunschwelt. Gehen Sie mal nach Afghanistan und reden mal mit den Menschen dort.
    Die Taliban hatten dort ein Terrorregime errichtet wo ein Menschenleben gar nichts zählte. Von Demokratie überhaupt keine Rede.
    Mir erzählte ein junger Afghane, “Natürlich ist es schwer hier, aber es ist leichter als früher. Oder wollten Sie noch unter Hitler leben?”

    Also Frau Olthof, informieren Sie sich bei den eigentlich betroffenen Menschen (es gibt auch Afghanen bei uns), dann denken Sie nach und schreiben einen neuen kommentar. Ich bin gespannt ob Sie immer noch eine so radikale Meinung haben.

    liebe Grüße

    Jürgen Zwing

  3. Peter Saupe sagt:

    Ich verurteile die Meinung von Frau Olthof nicht, beschreibt Sie doch Emotionen die viele von uns in sich tragen – von daher war
    das ” wachrütteln” schon in Ordnung sehr geehrte Frau Olthof.
    Es tut schon weh …
    Auch stimmt ganz einfach die unverblümte Wahrheit von Hrn. Meiss
    der meines Erachtens den Nagel voll auf den Kopf trifft…weil, was haben wir dort zu suchen ??? Propagandalügen im 2.WK haben auch die Aktionen in fremden Ländern immer bestärkt …wer hat diese in die Welt gesetzt und was hat das Deutsche Volk damit erreicht ?

  4. Peter Saupe sagt:

    Krieg führen ? Ja , aber nur gegen Hunger ,Durst , Seuchen u.s.w.
    Da , stehe ich hinter Ihnen Hr. Rothweiler ….!!!
    Nur wird der gute Samaritergedanke ausreichen ??
    Die jetzigen Politiker sind einfach lächerlich …Sie werden es in vielen Jahren nicht schaffen.. 100 Jahre ist Afghanistan zurück vom normalen Leben …
    Hilfe ok …nur die Richtige !!
    Weihnachten ein Fest der Besinnlichkeit …besinnen wir uns Menschen denen es schlechter als den Deutschen geht …das wäre
    echte Solidarität …

  5. Stefan Karl sagt:

    Ich war viele hundert Tage in Afghanistan, ich habe viele hundert Afghanen operiert, zahlreichen das Leben gerettet, Freunden wie Feinden. Ich habe deutsche Soldaten und Soldaten anderer Nationen sterben sehen müssen, aber auch Afghanen. Vielen konnte ich nicht mehr helfen. Ich habe dies direkt vor mir gesehen, nicht aus der heimatlichen Warte am Bildschirm. Zahlreiche Soldaten und Kameraden teilen diese Erfahrung auf ganz unterschiedliche Weise. Ich bin Soldat der Bundeswehr und für die Bundesrepublik und die deutsche Gesellschaft am Hindukush gewesen. Bei all diesen für ein demokratisches Land, eine demokratische Gesellschaft und eine demokratische Armee sehr wichtigen Diskussionen sollten wir die Soldaten vor Ort nicht vergessen. Viele verstehen diese Diskussionen längst nicht mehr, wünschen bei allen Diskussionen um die Ereignisse der letzten Tage ein wenig Anerkennung für das, was nicht täglich in den Medien erscheint. Ich bin mir sicher, dass seit dem Ereigniss im Flußbett bei Kunduz mehr Afghanen durch deutsche Soldaten gerettet wurden, als damals ums Leben gekommen sind. Man kann Leben natürlich nicht gegeneinander aufrechnen, aber man sollte die andere Seite des Einsatzes bitte auch nicht vergessen.

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