Keine Kohle mehr – was nun?

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch den ganz „Großen“ passiert es dieser Tage immer wieder – die dreht den Geldhahn zu und dann geht alles ganz schnell. Kein – kein Geld – keine Waren – Insolvenz!

Meist kommt die Kreditablehnung der wie der Blitz aus heiterem Himmel. Nein, nicht möglich, obwohl Sie bei den Gesprächen mit dem Kreditsachbearbeiter “immer ein ganz gutes Gefühl hatten”. Alles gerät ins Wanken. Die neue Investition hängt in der Luft – oder noch schlimmer: Möglicherweise droht sogar ein Liquiditätsengpass. Keep cool, don’t panic! Wenn Sie sich geschickt anstellen, kommen Sie – trotz – vielleicht doch noch zu Ihrem Geld, meinen auch meine Kollegen vom „Praxishandbuch GmbH-Geschäftsführer“.

Zunächst sollten Sie die Ablehnung des Kreditantrages nicht so einfach als unwiderruflich hinnehmen. Verabreden Sie so schnell wie möglich einen Termin mit Ihrer , um die Gründe zu hinterfragen. Lassen Sie sich dabei nicht vom Sacharbeiter mit Allgemeinplätzen abwimmeln, sondern beharren Sie auf einem fundierten Gespräch. Beliebte Abwehrargumente sind: “Der beantragte sprengt die vertretbare Größenordnung Ihres Engagements”. Oder: “Die von Ihnen gestellten Sicherheiten reichen nicht aus”. Oder: “Ihr passt nicht in unser Portfolio.”

Lassen Sie sich nicht darauf ein. Kreditinstitute neigen dazu, sich auf diese Weise unauffällig von kleinen, arbeitsaufwändigen und risikoreichen Kreditengagements zu lösen. Sie sollten daher möglichst umgehend versuchen, einen Termin mit dem Filialleiter zu bekommen. Stellen Sie diesem gezielte Fragen zur Ablehnung, wie z.B.: “Warum bewertet die die zu finanzierende Investition negativ?” Oder: “Warum ist der aus Sicht der eine Nummer zu groß?” Lassen Sie sich genau vorrechnen, warum die gestellten Sicherheiten als zu niedrig bewertet werden. Bisweilen wird auf Sachbearbeiterebene auch gelegentlich “schlampig” gearbeitet. Sie sind der Leidtragende, wenn es zu einer Fehlbewertung kommt. Etwaige Fehlbeurteilungen lassen sich beim Gespräch mit dem Filialleiter möglicherweise ausbügeln.

Aber nicht immer sind die anderen Schuld: Sie sollten vor dem Gespräch überprüfen, ob Sie den Kreditantrag der wirklich optimal präsentiert haben. War der Kreditantrag möglicherweise unvollständig, missverständlich und von der falsch zu interpretieren? Fehlten Unterlagen oder waren diese nicht aussagekräftig genug? Sie können bei einem solchen Manko durchaus nachbessern. Fragen Sie z.B. die , welche Unterlagen und Nachweise noch vorgelegt werden müssten, um zu einer anderen Beurteilung zu kommen.

Alternativ sollten Sie versuchen, mit Ihrer einen Kompromiss auszuhandeln, indem Sie die ursprünglich geplante Investition reduzieren und damit die Finanzierungssumme senken. Prüfen Sie zudem, welche eigenen Finanzquellen Sie zusätzlich mobilisieren können. Vielleicht lassen sich Sachanlagen veräußern. In jedem Fall führt ein Abbau Ihres Warenlagers und Ihrer Außenstände direkt zur finanziellen Entlastung und reduziert Ihre - und Lieferantenschulden.

Wenn die “A” sich letztendlich aber völlig “zugeknöpft” zeigt, sollten Sie nicht gleich verzagen. Jede hat eine andere Sichtweise der Dinge. Vielleicht beurteilt ein fremdes Institut Ihr Vorhaben positiv, weil es sich in Ihrer Branche oder Ihren Geschäften besser auskennt und deswegen Ihren Kreditantrag großzügiger beurteilt.

Ein Bankenwechsel kann also oft helfen. Schlechte Karten haben Sie allerdings, wenn es sich bei den Investitionen, für die Sie einen suchen, z.B. um die Erweiterung eines Betriebsobjektes handelt und Ihrer Hausbank diese Immobilie bereits bis zur Beleihungsgrenze mit Grundpfandrechten belastet hat. Für nachrangige Kreditnehmer gibt es dann keine Sicherheitsgrundlage mehr. Kündigen Sie den vorzeitig, müssen Sie Vorfälligkeitsentschädigungen zahlen. Für die Abtretung von Grundpfandrechten an Ihren neuen Gläubiger fallen außerdem Notar- und Grundbuchkosten an. Genauso verhält es sich, wenn die alten Grundpfandrechte gelöscht werden müssen.

Wie sehen Ihre Erfahrungen mit Banken in den letzten Monaten aus? Werden Kredite noch bewilligt, oder lässt man Sie jetzt im Stich?

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Verhandlungen und eine schöne Woche!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche AG

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2 Kommentare zu „Keine Kohle mehr – was nun?“

  1. Kurt Schlicker sagt:

    Liebe Mitleser,

    meine Erfahrungen in allen Kündigungsfällen (es sind viele, insbesondere meiner Klienten) durch die Bank sind allesamt in die Hose gegangen. Wenn die Kündigung erst mal ausgesprochen ist, will keiner mehr die Verantwortung übernehmen. Es sei denn, Sie können die Bank erpressen. Was ich in solchen Fällen empfehle, denn die Verbindung ist eh kaputt. Ist das Verhältnis noch gut, sollte man wenigstens eine gute Bankauskunft aushandeln, um zu wechseln und/oder S&LB anzuschieben.
    Generell habe ich die besten Erfahrungen gemacht, wenn man von Beginn an mit unterschiedlichen Instituten parallel arbeitet.
    MfG

  2. André Heinßen sagt:

    Hallo VNR-Gemeinde,
    als Mitarbeiter einer Bank bearbeite ich täglich Kreditanträge von Gewerbekunden. Tatsächlich hat sich die Sichtweise der Bank verändert – weg von der Vergangenheitsbetrachtung (aktuell werden viele Bilanzen zu 2007 eingereicht) – hin zur Zukunftsbetrachtung. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Berater plötzlich Planzahlen zu 2009 bei Ihnen anfordert. Bei den Banken grassiert die Angst vor Ausfällen durch die aktuelle Rezession… da helfen die Zahlen aus 2007 tatsächlich nicht weiter.
    Übrigens haben Sie ein Sonderkündigungsrecht, falls Ihre Bank eine Krediterhöhung nicht mitträgt. So kommen Sie eventuell auch aus teueren Kreditverträgen heraus – natürlich nicht kostenlos, aber immerhin mit der Chance die aktuell niedrigen Zinsen zu nutzen.
    Viele Grüße aus Stuttgart

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