Ich muss zugeben, dass ich eine echte Leseratte bin. Erst letzten Sonntag habe ich einen ganzen Tag in der Hängematte verbracht und ein gutes Buch gelesen. Es war einfach herrlich.
Als ich meiner Nichte von meinem Sonntagsvergnügen erzählt habe, war sie gleich ganz begeistert und hat sich für das nächste schöne Wochenende die Hängematte und unseren Bücherschrank reserviert. Ich freue mich wirklich, dass das Kind auch mit einer solchen Begeisterung liest. Von Bekannten weiß ich, dass es häufig gar nicht so einfach ist, Kinder zum Lesen zu bewegen. Ich habe Ihnen deshalb heute einige Tipps von der Lerntrainerin Uta Reiman Höhn zusammengestellt, die kleine Lesemuffel zu begeisterten Leseratten machen.
Erst wenn ein Kind neugierig auf Geschichten oder Informationen ist, entwickelt es den nötigen Ehrgeiz, das Lesen zu erlernen. Mit den folgenden sechs Elternaufgaben gelingt Ihnen das bestimmt:
- Besuchen Sie mit Ihrem Kind eine Stadtbücherei und lassen Sie ihm einen eigenen Ausweis ausstellen. Finden Sie heraus, was Ihr Kind besonders interessiert. Wale, Ritter, Autos: Bei einem Besuch in der Bücherei (oder einer Buchhandlung) können Sie ihm dann entsprechende Bücher vorstellen.
- Lesen Sie (Väter sind auch angesprochen!) Ihrem Kind jeden Tag ein paar Seiten aus einem spannenden Buch vor.
- Achten Sie darauf, dass Ihr Kind einen ruhigen und störungsfreien Ort zum Lesen hat.
- Lassen Sie sich von Ihrem Kind jeden zweiten Tag ein kleines ausgewähltes Stück aus der Tageszeitung vorlesen.
- Lesenlernen braucht seine Zeit, deshalb sollten Sie Ihr Kind auf keinen Fall drängen. Vergleichen Sie es auch nicht mit seinen Freunden oder, noch schlimmer, den Geschwistern. Da kann es leicht passieren, dass Ihr Kind sich aus Trotz oder Konkurrenzdruck ganz verweigert. Loben Sie Ihr Kind für seine Leseleistungen und kritisieren Sie Fehler nicht.
- Es ist gar nicht zu unterschätzen, welchen Einfluss das eigene Leseverhalten auf ihr Kind hat. Es fördert die Leselust, wenn Kinder beide Elternteile regelmäßig lesend vorfinden. Dabei ist es egal, um welche Inhalte es sich handelt.
Tipp: Erfahrungsgemäß ist das Vorlesen eine der effektivsten Methoden der Leseförderung, weil bei Kindern so das Interesse an Geschichten geweckt wird. Lassen Sie Ihr Kind bei der Auswahl des vorgelesenen Buches unbedingt mitreden, denn schließlich muss es sich für die Geschichte interessieren.
7 Tipps, damit das Vorlesen gelingt
- Wenn Sie selbst kein geübter Vorleser sind, sollten Sie sich die Geschichte zunächst selbst einmal durchlesen. Sie können dann den gesamten Text eindrucksvoller vorlesen.
- Versuchen Sie den einzelnen Figuren in einer Geschichte so viel Leben wie möglich einzuhauchen. Sprechen Sie mit verstellter Stimme und lassen Sie Gefühle erkennen. Lesen Sie Dialoge mit verteilten Rollen, wenn Ihr Kind das schon kann.
- Schaffen Sie eine gemütliche und ruhige Atmosphäre, damit niemand die Vorlesestunde stört. Nichts ist unangenehmer, als wenn das Telefon ständig klingelt oder der Fernseher im Hintergrund läuft.
- Durch eine tägliche, feste Vorlesezeit werden Bücher und Geschichten ganz selbstverständlich in den Familienalltag integriert.
- Sprechen Sie mit Ihrem Kind über die vorgelesene Geschichte. Stellen Sie selber Fragen und ermutigen Sie auch Ihr Kind, das Gehörte zu überdenken.
- Es ist schön, wenn Ihr Kind vom Vorlesen nicht genug bekommen kann. Doch auch Eltern haben ihre Grenzen. Nehmen Sie doch das Vorgelesene auf eine Kassette oder einen MP3-Player auf, so dass Ihr Kind es sich jederzeit auch alleine noch einmal anhören kann.
- Unterstützen Sie Ihr Kind darin, die gehörten Geschichten seinen Geschwistern oder dem anderen Elternteil zu erzählen. Vielleicht hat es auch Lust, das Gehörte in ein Bild umzusetzen.
Lesen durch Fernsehen fördern
Bestimmte Fernsehsendungen können Ihr Kind durchaus dazu anregen, sich mit Büchern zu beschäftigen. Für viele Serien (z.B. Die wilden Kerle, Die Sendung mit der Maus, charmed – zauberhafte Hexen usw.) gibt es inzwischen begleitende Literatur, die den Kindern schon deshalb Spaß macht, weil sie die Figuren schon aus dem Fernsehen kennen. Das sollten Sie ausnutzen!
Versteht Ihr Kind, was es liest?
Hat Ihr Kind die Technik des Lesens in den ersten zwei Schuljahren erlernt und verinnerlicht, beginnt es, sich auf die Inhalte zu konzentrieren. Indem Sie Ihrem Kind regelmäßig Fragen über die gelesenen Geschichten stellen oder es bitten, zu einzelnen Episoden Zeichnungen anzufertigen, helfen Sie ihm, sich auf die Inhalte zu konzentrieren.
Gute Bücher müssen nicht teuer sein
Es gibt viele Möglichkeiten, an spannende und aktuelle Bücher zu kommen. Je größer die Auswahl ist, desto höher ist auch die Chance, dass Ihr Kind etwas Interessantes findet. Preiswerte Bücher bekommen Sie in der Stadtbücherei, durch Büchertausch mit Freunden oder auf Flohmärkten. Es lohnt sich, auch bei eBay oder anderen Internet-Auktionshäusern nach guten Kinderbüchern zu suchen. Oft bekommen Sie hier schon für 1 Euro Kinderbuchklassiker.
Zeitschriften für Kinder und Jugendliche
Es muss ja nicht immer ein dickes Buch sein, auch eine Zeitschrift vermittelt interessante Informationen, spannende Geschichten oder einfach nur pure Unterhaltung. Der Vorteil gegenüber einem Buch ist gerade für Leseanfänger nicht zu unterschätzen. Die Beiträge sind kurz und mit vielen Fotos oder Zeichnungen bebildert. Einige Zeitschriften können Sie in den Bibliotheken ansehen, um vorab zu entscheiden, ob sich ein Kauf oder sogar ein Abo lohnt. Viele Verlage bieten Schnupperabos von drei Monaten an.
Ich wünsche Ihnen einen schöne und stressfreie Woche mit vielen Büchern!
Ihre
Sabine Olthof
Verlag für die deutsche Wirtschaft AG



