Artikel-Schlagworte: „Familie“

Auch Eltern unter Druck

23.08.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines, Beruf & Karriere, Familie & Erziehung, Lernen & Wissen

Liebe Leserin, lieber Leser,

häufig hören wir von Kindern, die unter massivem Druck ihrer ehrgeizigen stehen. Also: möglichst nur Einser in den Hauptfächern, Kopfnoten ohne Makel, Klavier, Malen, Tanzen und Sport – alles vom Feinsten. Das alles ist hinreichend bekannt. Dass bei uns aber zunehmend ebenso unter massivem sozialen Druck stehen, war bisher weniger ein öffentliches Thema. Hier gibt es augenscheinlich etwas aufzuarbeiten.

Seit den 80-ger-Jahren sei eine intensive Emanzipation des Kindes zu beobachten, heißt es in einer Elternstudie der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Das Kind sei zwar hinsichtlich seiner Rechte den gleichgestellt, aber von möglichen Pflichten weitestgehend freistellt. Wenn das Hauptaugenmerk der Familienpolitik weiter allein auf dem Kindeswohl liege, drohten die leicht aus dem Blickfeld zu geraten.

Die Konrad-Adenauer-Stifung hat mit ihrer sozialwissenschaftlichen Untersuchung von Sinus Sociovision den wachsenden Erziehungsdruck genauer untersuchen lassen. Druck kommt demnach vor allem aus der Gesellschaft. Heute werde den ein Maß an Verantwortung und Mitsprache für ihre zugewiesen, das es in früheren Elterngenerationen so nicht gegeben habe. Die Gesellschaft erwarte schlechthin, dass ihre Zeit mit den Kindern verbringen, ohne diesen dafür andererseits genügend Zeit einzuräumen. In den personell oft sehr schlecht ausgestatteten öffentlichen Schulen würden zum Beispiel die Lehrer die Kontrolle der Hausaufgaben wie selbstverständlich an die nicht selten damit überforderten delegieren. Diese – insbesondere – seien so in der Rolle von Hilfslehrern und gerieten auf Dauer in einen Konflikt aus Ohnmacht und dem Gefühl, nicht genug für ihr Kind getan zu haben, wenn es nicht mithalten könne.

Auch wirtschaftlich seien benachteiligt, stellt die Studie fest.
Die moderne Arbeitswelt fordere einen möglichst uneingeschränkt mobilen und verfügbaren Menschentyp. mit Kindern könnten diesem Leitbild kaum genügen. De facto – so die Studie – führe Elternschaft am Arbeitsplatz mithin zu einer Schwächung der Position, wenn es um Übertragung von Verantwortung beim beruflichen Aufstieg gehe. Enge Bindungen und langfristiger Zusammenhalt, wie in den klassischen Familien noch üblich, passten zunehmend weniger in eine Wirtschaft und eine Gesellschaft, die von Kurzfristigkeit und Flexibilität geprägt sei.

Besonders scheint die “bürgerliche Mitte” unter dem Erziehungsdruck zu leiden. Sie versuche, mit sehr guten Schulnoten für ihre einen Vorsprung vor anderen zu bekommen, heißt es in der Studie. Der erreichte Schulabschluss werde zum Schlüsselbegriff für gesellschaftlichen Erfolg und Misserfolg und letztendlich die bestmögliche Entwicklung aller kindlichen Fähigkeiten sogar zum allgemeinen Leitwert. Selbst innerfamiliär – so die Sinusstudie – komme dem jeweiligen Bildungsabschluss der Familienmitglieder mittlerweile ein überragender Stellenwert zu.

Zudem sei die “bürgerliche Mitte” in einem besonderen sozio-kulturellen Konflikt. Sie versuche, sich einerseits durch Bildung bewusst nach unten abzugrenzen, Andererseits sei sie bestrebt, den Anschluss zum oberen Drittel nicht zu verlieren. Das obere Drittel gehe aber zunehmend auf Distanz zur Mitte. In diesem Konflikt sei die “bürgerliche Mitte” – und dort vor allem die (Stichwort: “Mama-Taxi”)  – enormen persönlichen und wirtschaftlichen Belastungen und Verzichten ausgesetzt. Oft werde sogar schon im Vorschulalter zusätzlich Bildung für die privat eingekauft, um den Kindern die besten Schulnoten zu ermöglichen. Entsprechend boomt der private Bildungsmarkt derzeit.

Wie empfinden Sie den sozialen Druck, dem die heute in der Gesellschaft ausgesetzt sind. Ist es gerecht, von zum Wohle des Kindes immer mehr zu verlangen, ohne diese gleichzeitig mit genügend Zeit für und ausreichend wirtschaftlichen Mittel für diese Aufgabe auszustatten?

Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Wochenstart!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

“Tante” Mama

23.07.10 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines, Beruf & Karriere, Familie & Erziehung

Liebe Leserin, lieber Leser,

hart arbeitende Väter fürchten bisweilen nichts mehr, als von ihren irgendwann einmal mit „Onkel“ angeredet zu werden, weil sie viel zu selten zu Hause sind. Das macht Workaholics durchaus Angst. Und wir fühlen mit ihnen. Von der breiten Gesellschaft aber im allgemeinen kaum bemerkt ist festzustellen, dass dieses Problem bei uns inzwischen auch bei den Frauen angekommen ist und zugleich eine grundlegend andere Dimension bekommen hat.

Vielen Frauen droht zunehmend das gleiche Los wie den überarbeiteten Vätern, weil  sie durch Arbeitslosigkeit ihrer Männer oder als Alleinerziehende zur Haupternährerin der geworden sind und in der permanenten Klemme zwischen Haushalt, Kindererziehung und Beruf stecken. Für sie hat notgedrungen der Arbeitsplatz höchste Priorität; Haushalt und kommen danach.

Forscherinnen der Universität Essen-Duisburg und der Hans-Böckler-Stiftung haben in einer Studie den neuen Rollentausch der Geschlechter in den Familien untersucht. Das Ergebnis: Immer mehr verdienen das Geld für die Familien; das heißt in der Definition der Forscherinnen mindestens 60 % des Haushaltseinkommen. Das heißt aber andererseits nicht, dass sich nun umgekehrt die Männer daheim mehr um die und den Haushalt kümmern würden. Für die wenden die arbeitenden gleichwohl immer noch wesentliche mehr Zeit auf als die Väter.

Daraus erwächst für die Frauen eine norme Doppelbelastung. Eine der von der Forscherinnen interviewten Familienernährerin brachte ihre Befürchtung auf den Punkt: „Ich habe Angst, dass meine Töchter irgendwann sagen werden, es war nur immer Papa da.“

Vor allem für die Frauen in Ostdeutschland, wo Frauen – anders als im Westen – schon immer arbeiten gegangen sind, ist es nach dieser Studie schwierig, ihre Rolle als Haupternährerin der und Mutter unter einen Hut zu bringen. Dort schultern wegen der im Osten allgemein hohen Arbeitslosigkeit die Frauen ihrer finanzielle Verantwortung für die oft nur mit einem Vollzeitjob. Am Arbeitsplatz sind sie dadurch einem hohen betrieblichen Flexibilisierungsanspruch ausgesetzt. Berufliche Umorientierung oder eine geringere Belastung durch Teilzeit sind kaum möglich. Denn sie können ihren Arbeitsplatz nicht aufs Spiel setzen, wenn sie nicht die Familienexistenz gefährden wollen.

Wie sehen Sie diese Entwicklung? Ist es gut, wenn die Frauen immer mehr zum Haupternährer der Familien werden?

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG

Mädchen leiden bei Trennung der Eltern anders als Jungen

22.07.09 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Familie & Erziehung

Liebe Leserin, lieber Leser,

meine Freundin und ihr Partner haben sich vor einigen Wochen getrennt. Während die beiden Erwachsenen ganz gut mit der neuen Situation klarkommen, leidet ihre kleine Tochter ganz fürchterlich unter den geänderten Familienverhältnissen. Jeden den sie trifft, seien es Freunde ihrer , aber auch Fremde auf dem Spielplatz, fragt sie: „Kennst Du meinen Papa? Mein Papa wohnt nicht mehr bei uns, der hat uns nicht mehr lieb.“ Obwohl beide Elternteile versuchen, die Kleine vom Gegenteil zu überzeugen, hält sie an dieser Meinung fest.

Die Kleine steht nicht alleine dar. Auf 1000 bestehende Ehen kommen hierzulande jedes Jahr bereits zehn Scheidungen. Selbst kleine sind augenscheinlich nicht mehr der “Kitt”, mit dem früher viele gefährliche Risse im Eheverhältnis überbrücken konnten. Die Zahl der Ehescheidungen mit minderjährigen Kindern nimmt zu. Eine bedenkliche Entwicklung.

Natürlich gibt es Fälle, bei denen es für und nur von Vorteil sein kann, eine Ehe bzw. Lebensgemeinschaft möglichst rasch zu beenden. Doch das ist nicht der Regelfall. haben ein Recht, geschützt in liebevoller Umgebung aufzuwachsen, weil sie nur so Zutrauen zu sich selbst erwerben können. Bisweilen scheint es aber so, als seien sich die Partner nicht bewusst, welch großes Maß an Verantwortung sie persönlich gegenüber ihren Kindern tragen.

Je kleiner sind, desto mehr leiden sie, wenn die auseinander gehen. im Kindergartenalter beziehen die Geschehnisse um eine Trennung unmittelbar auf sich, haben meine Kollegen von „Kindergarten & Hort aktuell“ festgestellt. Sie glauben, ihr Verhalten hätte die Trennung ausgelöst. Sie glauben beispielsweise, der Vater sei aus der Wohnung ausgezogen, nur weil sie zu laut, bockig, unartig oder unordentlich gewesen seien. Diese Schuldgefühle lösen Angst aus, die Liebe der völlig zu verlieren. Eine solche Vorstellung stellt für das kleine Kind eine existenzielle Bedrohung dar. Es hat eben noch nicht richtig gelernt, mit Ängsten umzugehen und reagiert deshalb oft mit regressivem Verhalten. Das merkt man sehr schnell: bis zum Kindergartenalter aus getrennten Gemeinschaften neigen z.B. dazu, schnell zu weinen und verlangen besonders nach Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Ältere sind schon eher in der Lage zu erkennen, dass nicht sie für die Trennung der verantwortlich sind. Häufig reagieren sie aber mit und Rückzug, Trauer und Hilflosigkeit. Die schulischen Leistungen können rapide nachlassen.

Besonders schwierig ist eine Trennung für , wenn sie in Loyalitätskonflikte geraten, weil die Elternteile versuchen, das Kind jeweils auf die eigene Seite zu ziehen oder gar als Verbündeten gegen den Partner zu mobilisieren. können meist nicht verstehen, warum sie einen Elternteil nun nicht mehr lieb haben sollen. Dies liegt u.a. daran, dass sie ihre Sicherheit und ihr Selbstvertrauen viel unmittelbarer als Erwachsene aus Beziehungen ableiten und auf Veränderungen besonders stark reagieren. Kommt es zu Loyalitätskrisen, können sie dadurch in schwerste Gefühlskonflikte geraten, aus denen sie ohne Hilfe selbst nicht mehr herausfinden.

Mädchen reagieren übrigens auf die Trennung der sehr häufig völlig anders als Jungen. Sie neigen dazu, sich zurückzuziehen, entwickeln Ängste, oft sogar Depressionen oder zeigen ein unangepasstes Verhalten.

Jungen antworten auf die Trennung eher aggressiv. Sie zeigen oft ein auffälliges Verhalten und haben häufig Schulprobleme als Folge der elterlichen Trennung. Übersteigerte richtet sich dabei nicht immer gegen andere Personen. Sie kann auch selbstzerstörerische Züge annehmen, vor allem wenn sich beim Kind das Gefühl ausbreitet, nichts wert zu sein, abgelehnt zu werden und unbeliebt zu sein.

Haben Sie bereits ähnliche Erfahrungen in der eigenen oder im Freundeskreis gemacht? Wie haben Sie den Kindern über die schwierige Trennung der hinweggeholfen? Aus oben genanntem Anlass bin ich für jeden Tipp wirklich dankbar.

Ich wünsche Ihnen eine harmonische und schöne Woche!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG