Artikel-Schlagworte: „Guido Westerwelle“

Hauptsache Deutsch

13.10.09 | Text: Sabine Olthof
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Veröffentlicht in: Allgemeines

Liebe Leserin, lieber Leser,

nun zeigen alle hämisch mit dem Finger auf Dr. , weil er die auf gestellte Frage eines britischen Journalisten auf einer Pressekonferenz in Berlin nur auf beantworten wollte. Oh, was hat der designierte deutsche da nur angerichtet. Heute, wo man bei uns schon im Vorschulalter lernt, will er auf beharren.

Sein Polit-Kollege Cem Özdemir von den Grünen richtete spontan in einer Art „öffentlichem Kotau“ gleich eine Entschuldigung an die BBC für die Sprachstörung des möglichen deutschen Außenministers. Tenor: Unter dem „grünen“ Fischer hätte es das nicht gegeben, und deshalb sollte auch wieder ein „Grüner“ dieses Amt übernehmen. Das war wohl witzig gemeint, oder wie?

Selbstverständlich kann ich nicht beurteilen, wie gut die Englischkenntnisse von Herrn Fischer sind – und waren. Womöglich spricht er wirklich besser als Herr Westerwelle. Fischer war früher schließlich zeitweilig Taxifahrer in Frankfurt und ist dabei viel rumgekommen. Vieleicht hat ihn auch seine „Patentante“, die frühere US-Außenministerin Madeleine Albright, linguistisch etwas „gecoacht“. Mag alles sein.

Aber in einem Punkt hat Westerwelle bestimmt Recht. Wir leben im Kulturraum Deutschland. Wenn man hierzulande von türkischen Migranten die Beherrschung der deutschen verlangt – was übrigens auch Herr Özdemir begrüßt – sollte man von ausländischen Korrespondenten erwarten dürfen, dass die an ihrem Arbeitsplatz die vorherrschende   Landessprache zumindest leidlich beherrschen. Wie wollen sie sonst deutsche Zeitungen lesen, um über dieses Land berichten zu können?

Übrigens: Versuchen Sie einmal als Journalist auf einer Pressekonferenz in Paris oder London ihre Fragen auf zu stellen. Allgemeine Ratlosigkeit. Selbst mit der „Weltsprache“ kämen Sie in Frankreich nicht weiter. Das liegt keineswegs an der nationalen Fremdsprachen-Behinderung, die man Franzosen gerne nachsagt, sondern daran, dass die Grande Nation über ein gesundes Selbstbewusstsein verfügt und das auch mit ihrer zum Ausdruck bringen möchte. Französisch ist nämlich – ebenso wie das hervorragend konstruierte – nicht nur ein allgemeines Kommunikationsmittel, sondern zugleich Teil der nationalen Identität.

Und noch etwas an die Adresse von Herrn Özdemir. Keinem französischen Politiker würde es in den Sinn kommen, die eigene Regierung im Ausland bloßzustellen – selbst dann nicht, wenn man sich gerade zuvor im Lande in politischen Auseinandersetzungen um ein Thema wie die Kesselflicker geprügelt haben sollte. Auch das ist, wie ich meine, stolzer Ausdruck von gemeinsamer nationaler Identität – und politischer Kultur.

Dr. hat auf die öffentlichen „Vorwürfe“ mit Humor reagiert. Was halten Sie von der Diskussion um die Englischkenntnisse des FDP- Parteivorsitzenden? Glauben Sie, dass der designierte sich in der Pressekonferenz richtig verhalten hat? Schreiben Sie mir!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Nachmittag!

Ihre

Sabine Olthof
Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG